Maralde Meyer-Minnemann – deutsche Hauptübersetzerin großer Literaten
Maralde Meyer-Minnemann (*1943) ist eine deutsche Dolmetscherin und literarische Übersetzerin in Hamburg. Sie ist auch tätig als vereidigte Übersetzerin und Dolmetscherin für Portugiesisch.
Meyer-Minnemann spricht sechs Sprachen: Portugiesisch (ihre „Vatersprache“), Deutsch (ihre Muttersprache), dazu Französisch, Italienisch, Spanisch und Englisch.
Familie
Geboren auf der Azoren-Insel Santa Maria heiratete ihre Großmuttereinen einen nach Brasilien ausgewanderten Hamburger. Die Großeltern gingen nach Portugal und ließen sich in Porto nieder. Unter ihren neun Kindern war Maraldes Vater, der später nach Hamburg ging. Dr. Herbert Minnemann war Portugiesischdozent an der Universität, engagierte sich in der portugiesischen Gemeinde und wurde 1964 einer der Gründer der Associação Portuguesa em Hamburgo (aufgelöst 2007). So hatte Maralde von klein auf mit der portugiesischen Sprache zu tun.
Sie war Mitbegründerin der Portugiesisch-Hanseatischen Gesellschaft (PHG) (1996 in Hamburg als gemeinnütziger Verein gegründet) und später auch deren Präsidentin.
Ihr Bruder Wolfram Minnemann (Weinkaufmann in Porto und verheiratet mit einer Portugiesin) verdankt seine Bekanntheit jedoch seiner Leidenschaft, der Musik. Er spielte schon in den 60er und 70er Jahren in einer bekannten Rockgruppe in Hamburg, den Thrice Mice. In Porto tat er sich mit jungen portugiesischen Musikern zusammen. Sie brachten die LP Minnemann & Amigos heraus, die in Portugal ein großer Erfolg war, besonders das Lied João Manguela.
Meyer-Minnemann hat zwei erwachsene Kinder. Ihre Tochter Anne ist Journalistin und Chefredakteurin der Zeitschrift Gala.
Hauptübersetzerin
Sie studierte Romanistik an der Uni Hamburg und seit den 1980er Jahren übersetzt sie hauptsächlich literarische Werke aus dem Portugiesischen, Brasilianischen und Spanischen ins Deutsche, u.a. José Cardoso Pires, Lídia Jorge, Inês Pedrosa.
Sie wurde bekannt als die deutsche Hauptübersetzerin von António Lobo Antunes (Portugal) und Paulo Coelho (Brasilien) und hat einige Auszeichnungen für ihre Arbeit erhalten, u.a. 2021 den Hamburger Literaturpreis für die Übersetzung von Antunes’ Roman Até que as pedras se tornem mais leves que a água (Bis die Steine leichter sind als Wasser). Gerade die komplexe Sprache von Antunes, die oft durch lange Sätze ohne Punkte gekennzeichnet ist, stellt hohe Anforderungen an die Übersetzer.
Meyer-Minnemann hatte das große Glück, ihre Autoren Coelho (dessen Werke zu den meistübersetzten Büchern gehören, u.a. Der Alchimist in 81 Sprachen) und Antunes (dessen Werke in über 30 Sprachen übersetzt wurden) persönlich kennenzulernen und sogar bei einigen Interviews dabei sein zu dürfen. Das ist nicht jedem Literaturübersetzer vergönnt.
http://www.phg-hh.de/PP_PDF/Portugal_Post/PP22/s_pp22_portraet_maralde.html
http://www.phg-hh.de/PP_PDF/Portugal_Post/PP14/s_pp14_19_d.html