
Was ein Spielstock mit einem Schwanz, einer Warteschlange und einem Zopf zu tun hat
Warum heißt der Billardstock im Deutschen eigentlich Queue? Und was hat dieses Wort mit einer Warteschlange oder einem Zopf gemeinsam? Die Antwort führt uns ins Französische und zeigt einmal mehr, wie aufschlussreich ein Blick auf die Herkunft und Entwicklung von Wörtern sein kann.
Billard ist vielen Menschen als Freizeitbeschäftigung bekannt: Man spielt es in Kneipen, Bars oder speziellen Billardcentern. Doch hinter dem Spiel verbergen sich nicht nur Regeln und Techniken, sondern auch interessante sprachgeschichtliche Zusammenhänge. Schauen wir uns zwei Begriffe genauer an: Billard und Queue.
Was ist Billard?
Billard ist ein Präzisions- und Konzentrationssport, bei dem die Spieler mit einem Spielstock, dem Queue, Kugeln auf einem mit Tuch bespannten Tisch bewegen. Dabei wird in der Regel die weiße Spielkugel angestoßen, die ihrerseits andere Kugeln trifft und bewegt.
Zu den bekanntesten Disziplinen gehören Poolbillard, Snooker und Karambolage. Beim Poolbillard gibt es Tische mit sechs Taschen und verschiedene Spielvarianten, etwa 8-Ball, 9-Ball oder 14/1. Snooker wird auf einem größeren Tisch mit besonders schmalen Taschen gespielt. Karambolage kommt dagegen ohne Taschen aus: Hier geht es darum, mit der eigenen Spielkugel die beiden anderen Kugeln zu treffen.
Wortherkunft und Entstehung: Billard
Das Wort Billard stammt aus dem Französischen. Seine ursprüngliche Bedeutung war nicht das Spiel, wie wir es heute kennen, sondern ein gebogener Stock, mit dem Kugeln oder Bälle bewegt wurden.
Die französische Wortbildung wird meist mit bille und dem Wortbildungselement -ard erklärt. Dabei ist allerdings eine Unterscheidung wichtig: bille konnte im älteren Französisch ein Holzstück oder einen Holzklotz bezeichnen; im heutigen Französisch bedeutet es unter anderem auch „Kugel“ oder „Spielkugel“.
Im Laufe der Zeit ging die Bezeichnung vom Spielstock auf den Spieltisch und schließlich auf das gesamte Spiel über. Das Wort Billard ist damit ein schönes Beispiel dafür, wie sich die Bedeutung eines Wortes im Lauf der Sprachgeschichte verändern kann.
Rund um die Herkunft des Namens kursieren auch andere Erklärungen. So wird gelegentlich behauptet, Billard gehe auf einen Londoner Pfandleiher namens Bill Knew zurück oder setze sich aus dem Vornamen Bill und dem englischen Wort yard zusammen. Für solche Geschichten gibt es jedoch keine überzeugenden sprachwissenschaftlichen Belege. Die etymologische Erklärung über das Französische ist wesentlich besser fundiert.
Der Billardstock: Warum heißt er Queue?
Noch interessanter wird es beim Wort Queue. Es stammt ebenfalls aus dem Französischen und bedeutet „Schwanz“ oder „Schweif“. Das französische Wort geht über die lateinische Form coda auf das lateinische cauda zurück.
Wie kam es dazu, dass ein Spielstock diesen Namen erhielt? In den frühen Formen des Billardspiels verwendete man einen gebogenen Schläger, der im Französischen masse genannt wird. Lag eine Kugel nahe an der Bande, konnte es schwierig sein, sie mit dem breiten, gebogenen Schlägerkopf zu erreichen. Eine überlieferte Erklärung besagt, dass Spieler den Schläger deshalb umdrehten und mit dem schmalen Griffende spielten. Dieses dünnere Ende ließ sich präziser einsetzen. Aus der Verwendung des schmalen Endes entwickelte sich im Laufe der Zeit der gerade, schlanke Spielstock, den wir heute als Queue kennen. Die Bezeichnung für das Ende des Schlägers wurde schließlich auf das gesamte Sportgerät übertragen. Ob man diese Entwicklung im Detail genau so rekonstruieren kann, ist eine Frage der historischen Beleglage. Sprachlich ist die Verbindung von queue mit der Bedeutung „Schwanz“ oder „Schweif“ dagegen gut nachvollziehbar.
Übrigens bezeichnet queue im Französischen nicht nur den Schwanz eines Tieres, sondern auch eine Warteschlange oder einen Zopf. Allen diesen Bedeutungen liegt die Vorstellung eines länglichen, nach hinten anschließenden oder sich aneinanderreihenden Gebildes zugrunde.
Ein Wort – mehrere Sprachen
Auch der Sprachvergleich ist aufschlussreich. Während das Deutsche den französischen Begriff Queue übernommen hat, verwenden andere Sprachen eigene Bezeichnungen für den Billardstock.
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Sprache |
Bezeichnung |
Aussprachehilfe |
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Deutsch |
der Queue |
ungefähr „Kö“, mit langem, geschlossenem Ö |
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Englisch |
cue / pool cue |
ungefähr „kjuː“ |
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Französisch |
la queue |
ungefähr „kö“ |
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Italienisch |
la stecca / la stecca da biliardo |
ungefähr „sték-ka“ |
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Portugiesisch (Portugal) |
o taco / o taco de bilhar |
ungefähr „tá-ku“ |
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Spanisch |
el taco / el taco de billar |
ungefähr „tá-ko“ |
Die Aussprachehilfen sind hier bewusst vereinfacht. Besonders interessant ist der Vergleich zwischen Französisch und Englisch: Die Schreibweisen queue und cue unterscheiden sich deutlich, die Aussprache ist jedoch nahezu identisch.
Im Italienischen begegnet uns mit stecca ein anderes Wort, während Portugiesisch und Spanisch die Bezeichnung taco verwenden. Im Portugiesischen ist taco de bilhar die gängige Bezeichnung für den Billardstock; taco de sinuca ist besonders im brasilianischen Portugiesisch gebräuchlich.