
Anne Boleyn
Anne Boleyn (1501 oder 1507-1536) war die zweite der sechs Ehefrauen Heinrichs VIII. und von 1533 bis 1536 Königin von England. Doch wie zuvor schon Katharina von Aragon lieferte Anne nicht den erhofften männlichen Erben. Sie fiel daher in Ungnade und wurde wegen angeblichen Ehebruchs und Hochverrats am 19. Mai 1536 enthauptet und ihre Ehe mit Heinrich VIII. Für ungültig erklärt.
Die Verhandlung und die Gerichtsakten wurden in der Landessprache geführt, aber es finden sich lateinische Bezüge in anderen Dokumenten. Da die Ehe von Anne und Heinrich zur Trennung von Rom führte, existieren z.B. zahlreiche lateinische Briefe und päpstliche Dokumente, die ihre Ehe als illegal und sie selbst als „Hure“ (lat. scortum) bezeichneten. Die Dokumente sind in den Archiven als Teil der Tudor-Staatspapiere (Letters and Papers, Foreign and Domestic, Henry VIII) erhalten und größtenteils auf Latein oder dem damaligem Englisch/Französisch verfasst.
Nachdem die Ehe wurde für ungültig erklärt worden war, galt ihre Tochter Elizabeth (1533–1603) fortan als unehelich. Dennoch bestieg sie als Elisabeth I. 1558 den englischen Thron und zählt heute zu den bedeutendsten und am längsten regierenden Monarchen Englands.
Annes Sprachen
Annes Vater, Thomas Boleyn, wird als gebildeter, sprachbegabter Hofbeamter beschrieben, der seine Töchter gut ausbilden ließ. Seine Tochter Anne war für ihre Zeit außergewöhnlich gebildet und verfügte über gute Sprachkenntnisse, die sie vor allem während ihrer prägenden Jahre an europäischen Höfen erwarb.
Französisch: Dies war ihre stärkste Fremdsprache, quasi ihre „Muttersprache“ am Hofe. Sie verbrachte einen Großteil ihrer Jugend in Frankreich, wo sie gelegentlich als Dolmetscherin fungierte und in dieser Funktion sogar am Herrschertreffen zwischen Heinrich VIII. und Franz I. 1520 in Calais teilgenommen haben soll. Ihre Zeit in Frankreich prägte ihren Stil und ihr intellektuelles Interesse, was sich auch in ihrer Kleidung widerspiegelte und maßgeblich zur Anziehungskraft auf Heinrich VIII. beitrug. Er schrieb ihr sogar einige seiner berühmten Liebesbriefe auf Französisch.
Englisch (Muttersprache): Als gebürtige Engländerin war dies ihre Muttersprache, die sie ebenso sicher in Wort und Schrift beherrschte.
Latein: Als gebildete Frau der Renaissance verfügte sie über die für ihren Stand üblichen guten Lateinkenntnisse, die es ihr ermöglichten, religiöse Texte und philosophische Werke zu lesen.
Italienisch und Spanisch: Sie soll aufgrund ihrer umfassenden humanistischen Bildung über Grundkenntnisse oder ein gewisses Verständnis des Italienischen und Spanischen verfügt haben.
Annes Geist
Großbritannien gilt als eines der paranormal aktivsten Länder der Welt. Verschiedene Orte beanspruchen sogar den Titel für sich, die meisten Geister zu beherbergen. Der Geist von Anne Boleyn gilt dabei als der aktivste und meist gereiste.
Der Legende nach fährt ihr Geist jedes Jahr am Vorabend ihres Hinrichtungstages (19. Mai) in einer von vier kopflosen Pferden gezogenen schwarzen Kutsche mit einem kopflosen Kutscher zu ihrem mutmaßlichen Geburtsort, dem Landsitz Blickling Hall in der Grafschaft Norfolk. Weiß gekleidet sitzt sie blutüberströmt in der Kutsche und hält ihren abgeschlagenen Kopf auf dem Schoß. Am Hauptportal angekommen, löst sich die Kutsche in Luft auf und ihr Geist soll dann bis zum Sonnenaufgang durch das Gebäude und die Gartenanlagen wandeln.